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Sonntagsgruß zum 9.5.2021

Liebe Gemeindemitglieder von Krefeld-Nord,
„Schaut hin!“, fordert Jesus seine Jünger in der Geschichte von der Speisung der 5000 auf, jener Geschichte, die die Grundlage für das Motto des Ökumenischen Kirchen-tages ist. „Schaut hin!“ (Mk 6,30-44)
Dazu wollen die Geschichte und der Ökumenische Kirchentag auch uns ermutigen. „Schaut hin!“
Wissen Sie, worauf ich zuerst geschaut habe, als ich die Geschichte vor ein paar Tagen las? Darauf, wie viele Menschen da zusammen sind! 5000! Sie sitzen eng zusammen, ohne Sicherheitsabstand, ohne Masken, und sie teilen Essen, das auch andere angefasst haben! Ist das nicht verrückt, dass mir das zu-
erst aufgefallen ist?
Aber vielleicht geht Ihnen das momentan ja auch so, wenn sie im Fernsehen Filme sehen, die vor dem letzten Jahr gedreht worden sind. Vielleicht kommt Ihnen das ja dann auch schräg vor, wenn sich Menschen, die nicht aus einem Haushalt stammen, nahekommen. Es sind verrückte Zeiten, diese Corona-Zeiten.
Aber sie zeigen, klarer als sonst, wie wichtig der Kontext und die Perspektive sind, mit denen wir uns in Geschichten hineinbegeben. Vor anderthalb Jahren wäre mir beim Lesen der Speisung der 5000 niemals der Gedanke an Masken oder Abstand gekommen. Sondern ich hätte vielleicht über Wunder nachgedacht, darüber, wie so viele Leute von 5 Broten und 2 Fischen satt werden können. Also ich hätte über die Frage nachgedacht, die sich den meisten doch als erstes stellt, wenn sie diese Geschichte hören oder lesen. Aber: „Schaut hin! Schaut nochmal mit einem anderen Blick auf diese wohlbekann-te Geschichte! Verändert eure Perspektive!“ Denn auch in unserer Geschichte werden Perspektiven verändert.
Zuerst die von Jesus: Aus der vorangegangenen Erzählung lernen wir, dass die 5000 Jesus und seinen Jüngern spontan gefolgt waren und dass er beschlossen hatte, den „Schafen ohne Hirten“, als die er sie identifiziert, durch seine Predigt Orientierung zu geben. Darauf liegt seine volle Aufmerksamkeit – bis seine Jünger an ihn herantragen, dass es langsam spät wird und dass die Menge hungrig wird.
Als nächstes ist die Perspektive der Jünger dran: „Die Menschen sind hungrig. Mach was!“, sagen sie zu Jesus. Sie erwarten von ihm, dass er was tut, dass er die Entscheidung trifft, die Menschen in die umliegenden Dörfer zu schicken, damit sie sich etwas zu essen besorgen können. Doch Jesus sagt: „Nein, wir schicken sie nicht fort – sorgt ihr für Essen für alle.“ Doch damit sind die Jünger natürlich nicht zufrieden; jetzt haben sie die Verantwortung – und gleich denken sie ans Geld, dass massenhaft gebraucht würde, um alle satt zu bekommen. Jesus aber lehnt den Gedanken an Geld ab und sagt zu seinen Jüngern: „Schaut doch erstmal nach, was ihr habt!“ Und dann gehen die Jünger los und schauen nach – und sie finden tatsächlich 5 Brote und 2 Fische, die dann wundersamer Weise für alle reichen. Das, was Jesus hier macht, ist, dass er versucht, den Blickwinkel seiner Jünger zu verändern. Weg von der Konzentration auf das, was fehlt, hin zu einer Wahrnehmung dessen, was da ist. Weg von der Konzentration auf das, was sie meinen, nicht zu können – und deshalb von ihm gelöst haben wollen – hin zum Blick auf das, was sie tun können. Und schließlich auch weg von der Konzentration auf die vermuteten eigenen Unzulänglichkeiten, hin zum Vertrauen auf den Gott, der hinschaut, für den nichts unmöglich ist und in dessen Händen fünf Brote und zwei Fische mehr als genug sind. „Schaut hin!“
Das „Schaut hin!“ richtet sich auch heute besonders an alle, die sich in die Nachfolge Jesu stellen. Hinzuschauen bedeutet die eigenen Augen auf sich hin zu öffnen, was man selbst oder mit anderen gemeinsam tun kann, also die Handlungsmöglichkeiten zu entdecken.
Das Motto des Ökumenischen Kirchentages und der Aufruf Jesu aus dem Markusevangelium, sind eine sehr gute Gelegenheit, dass wir uns immer wieder an unsere Möglichkeiten erinnern, die Welt ein Stückchen besser zu machen. Ich kann mit meinem eigenen Verhalten dazu beitragen, dass es Menschen und Tieren auf dieser Welt besser geht. Ich kann mit meinen Möglichkeiten etwas tun, um Armut zu lindern, das Klima zu schützen, unseren Lebensraum zu schonen und das Leben gerechter und erträglicher zu machen.
Das ist das eine, dass wir hinschauen auf unsere Möglichkeiten und Ressourcen – und diese zum Wohl anderer einsetzen. Gleichzeitig erinnert uns der Satz „Schaut hin“ daran, dass wir nicht allein sind. Auch ein Fernseh-Gottesdienst möchte uns daran erinnern. Schon allein dadurch, dass wir wissen, viele hören gerade gemeinsam Gottes Wort, beten und hören oder singen Lieder des Glaubens, setzen wir ein Zeichen. Wir öffnen unsere Augen, aber auch die Ohren für Gott, für uns selbst, füreinander. So etwas schenkt Kraft und macht Mut immer wieder auf den Ruf Jesu zu hören: „Schaut hin!“
Einen gesegneten Sonntag – und viel Freude beim 3. Ökumenischen Kirchentag!
Ihre Pfarrerin Angelika von Leliwa und Pfarrer Christoph Tebbe

Segenswunsch Wunder
Sehen, als sei alles ein Anfang.
Hören, als hättest du nie gehört.
Schmecken, als sie es das erste Mal.
Ich wünsche dir, dass deine Sinne sich immer wieder neu öffnen.
Und dir das Leben als Wunder entgegenkommt. Tina Willms

Unsere Ideen für den 3. Ökumenischen Kirchentag

Donnerstag, 13.05.21 10 Uhr ARD
Ökumenischer Himmelfahrts- und Eröffnungsgottesdienst – von einer Dachterrasse inmitten der Frankfurter Skyline, die Predigt hält der Prior der Gemeinschaft von Taizé, Frère Alois.

Freitag, 14.5.21 20.00–21.30 https://www.oekt.de/eins Oratorium EINS
Ökumenisches Oratorium (Uraufführung): Zwei Frauen spinnen den Erzählfaden des Oratori-ums, das sich vielfach an die Apostelgeschichte anlehnt. Die Journalistin Julia reist für eine Recherche aus unserer Gegenwart in die Zeit der Urchristen ….

Samstag, 7. 5.21 16 Uhr https://www.oekt.de => FÜR FAMILIEN
Einstündiges Programm für die ganze Familie unter der Überschrift “Alles hat seine Zeit – Eine Stunde zum Zusammenleben”…

Samstag, 7. 5.21 19 Uhr https://www.oekt.de
„Kommt und seht!“ (Joh 1,39) – Gottesdienst – Abendmahl ökumenisch sensibel feiern

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