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Sonntagsgruß zum 30.5.2021

Liebe Gemeindemitglieder von Krefeld-Nord,
der Sonntag Trinitatis ist dem Geheimnis Gottes gewidmet, dem sich die Lehre von der Trinität, der Dreieinigkeit Gottes annähern will. Das Evangelium zu Trinitatis erzählt von einem nächtlichen Gespräch. Zwischen zwei Menschen, die einander noch nie begegnet sind. Jesus und Nikodemus. Warum in der Nacht? Nikodemus ist ein hoher religiöser Würdenträger, er hat einen Ruf zu verlieren, und die Nacht bietet Schutz vor den Augen der Öffentlichkeit. Außerdem: Manche Gespräche passen nicht in die Hektik des Tages, brauchen Zeit und Muße. Und irgendwie ist die Nacht ja auch Bild für unsere Seele. Gerade wenn wir im Dunkeln tappen, uns die Gespenster quälen, soll uns doch ein Licht aufgehen, sehnen wir uns besonders nach Erhellung, Erkenntnis, Einsicht.
Es ein bemerkenswertes und merkwürdiges Ge¬spräch zwischen Nikodemus und Jesus (s. Joh 3,1-8). Über der Szene bleibt etwas Geheimnisvolles, Undurchsichtiges, Jenseitiges. Durch Jesu Ant-wor¬ten auf Nikodemus‘ mutige Fragen: “Wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von Neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen… Wenn jemand nicht geboren wird aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.“
Dieses nächtliche Gespräch hat es in sich. Es lüftet ein Geheimnis: mit einem Geheimnis. Hier kommt kein Wikipedia-Eintrag zum Thema „Neugeburt“, der objektiver und sachlicher Überprüfung standhält. Hier kommt Glaubenswahrheit. Und die verweist uns auf die Taufe und den Geist. Damit sind wir besser dran als Nikodemus, der noch keine Erfahrung mit beidem hat. Wir schon. Wir wissen um den Wert der Taufe und wir wissen um die Wirkmächtigkeit des Geistes. Wissen wir das?
Eigentlich schon. Wenn wir Menschen taufen, ist das der Beginn einer aktiven und eigenen und wachsenden Beziehung mit Gott. Und wenn wir Pfingsten feiern, geht es um Raum für Gottes Geist, der weht, wo er will, aber er will zu und unter die Menschen. Oder kurz gesagt: In Taufe und Geist geht es um Beziehung, um Nähe, um Berührungspunkte zwischen Gott und Mensch. Neugeburt ist kein biologisches, sondern ein geistliches Ereignis. Das sich einstellen kann im Vertrauen auf Gott, der es herstellen, der es stiften kann. Aber das bleibt letztlich Geheimnis. Da können wir fragen, wie wir wollen. Da kann Nikodemus fragen, wie er will. Weil ein Geheimnis davon lebt, Geheimnis zu sein. Und Gott darf seine Geheimnisse haben.
Wir können nicht gut umgehen mit Geheimnissen. Oder mit offenen Fragen. Oder mit unbefriedigenden Antworten. Aber wir werden es wohl müssen. So wie Nikodemus. Der nach den Worten Jesu erst einmal keiner Erwähnung mehr wert ist. Wir erfahren nicht, ob er etwas verstanden hat oder ob er ratlos von dannen zieht. Es steht zu vermuten, dass er am Ball geblieben ist. Am Glaubensball. Einige Kapitel später setzt er sich bei seinen Kollegen für Jesus ein. Und am Ende sehen wir ihn in liebevoller Fürsorge für den toten Leib unter dem Kreuz. Aber greifen wir der Geschichte nicht vor. Bleiben wir in jener Nacht.
Denn die hat es in sich. Für Nikodemus. Der auf klare Fragen keine klaren Antworten bekommt. Aber in jener Nacht nimmt Jesus ihn dennoch in großer Klarheit mit hinein in ein Geheimnis, in Gottes Geheimnis. Und so wird Nikodemus auf seine Weise Vorbild im Glauben. Weil er erkennt und lebt, was Matthias Claudius in seinem bekannten Lied vom Mond und der Nacht so wunderbar gedichtet hat: „Seht ihr den Mond dort stehen? Er ist nur halb zu sehen und ist doch rund und schön. So sind gar manche Sachen, die wir getrost belachen, weil unsere Augen sie nicht sehen.“ Gott wahrt sein Geheimnis. Er lässt uns nicht alles sehen. Und doch ist das, was wir aus gutem Grund ahnen, rund und schön.
Unser Glaube mutet uns zu, dass unser Verstand keine Antwort bekommt. Jedenfalls keine, die unmittelbar einleuchtet. Aber es lohnt sich, nicht alles ganz genau wissen zu wollen, sondern auf Geheimnisse zu trauen. Die größer sind als unser Verstand. Weil Gott größer ist als unser Verstand.
Einen gesegneten Sonntag!
Ihre Pfarrerin Angelika von Leliwa und Pfarrer Christoph Tebbe

Gebet
Du, mein Gott
In den Weiten und Tiefen des Universums,
zwischen unzähligen Galaxien, in den Undenkbarkeiten – Du.
In den kleinsten Winkeln des Mikrokosmos,
zwischen allerlei Atomen, in den Unsichtbarkeiten – Du.
In den Wundern des Alltäglichen,
zwischen dem Geschehen, in den Faszinationen – Du.
In den Netzen des Zwischenmenschlichen,
zwischen allen Beziehungen, in den Bewegungen – Du.
In den vielen Fragen unseres Glaubens,
zwischen meinen Gedanken, in den Ungewissheiten – Du. Kurt Rainer Klein

Unser Gottesdienst-Hinweis:
ZDF-Gottesdienst 9:30 Uhr In der Mitte ein Garten
Einen Garten zu haben, macht Arbeit. Doch er ist auch Zufluchtsort, bietet Betätigungsmöglichkeiten und Erholung. 39 Millionen Deutsche sind Gartenbesitzer. Und gerade in der Pandemie haben die Gärten Hochkonjunktur. Im Gottesdienst aus dem Innenhof des Klosters Eberbach spürt das Team um Pfarrerin Bianca Schamp nicht nur der wohltuenden Wirkung nach, die ein Garten haben kann. Es geht auch um biblische Bilder vom Garten und um die früheren Mönche des Klosters Eberbach, die ihr Kloster so anlegten, dass in der Mitte ein Garten lag.

Thomaskirche 9:45 Uhr Pius-Lukas-Kirche 11:15 Uhr

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