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Sonntagsgruß zum 6.6.2021

Liebe Gemeindemitglieder von Krefeld-Nord,
Auf einem Granitblock am südlichen Rande des Zooviertels von Hannover sitzt seit 2007 eine kleine Bronzefigur, entworfen von der Künstlerin Ulrike Enders. Dargestellt ist Momo – das Mädchen aus dem gleichnamigen Roman von Michael Ende. Das große Ohr in ihren Händen deutet auf ihre besondere Begabung hin: Momo hatte die Fähigkeit, „ganz Ohr zu sein“.
Michael Ende schreibt dazu: „So kam es, dass Momo sehr viel Besuch hatte. Man sah fast immer jemand bei ihr sitzen, der (..) mit ihr redete. Und wer sie brauchte und nicht kommen konnte, schickte nach ihr, um sie zu holen. Und wer noch nicht gemerkt hatte, dass er sie brauchte, zu dem sagten die anderen: ‚Geh doch zu Momo!‘“
Was die kleine Momo konnte wie kein anderer, das war: Zuhören.

Das ist doch nichts Besonderes, wird nun vielleicht mancher sagen, Zuhören kann doch jeder. Aber das ist ein Irrtum. Wirklich zuhören können nur ganz wenige Menschen. Und so wie Momo sich aufs Zuhören verstand, war es ganz und gar einmalig.

Tatsächlich ist es ein großer Schatz, wenn wir in unserem Bekannten- und Freundeskreis so eine „Momo“ haben – oder selbst in der Lage sind, anderen „ein Ohr zu schenken.“ Jemand hat einmal gesagt: „Unser größtes Kommunikationsproblem ist: Wir hören nicht zu, um zu verstehen. Wir hören zu, um zu antworten.“ Wahrscheinlich kennen die meisten von uns diese Erfahrung: dass wir beim Zuhören gedanklich schon längst mit unserer eigenen schlauen Antwort beschäftigt sind.

Wenn wir aber verlernen, wirklich zuzuhören, verlieren wir den Kontakt zu anderen Menschen genauso wie den Kontakt zu Gott. Gleichzeitig verlieren wir mit der Fähigkeit zum Zuhören auch die Möglichkeit, uns korrigieren zu lassen und weiterzuentwickeln.

„So ist es kein Wunder, dass die Bibel immer wieder auffordert, bewusst zuzuhören. Als Jesus seine Jünger losschickt, gibt er ihnen mit auf den Weg: „Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich“. Natürlich ist damit nicht gemeint, dass die Worte irgendeines Christen unkritisch gleichgesetzt werden könnten mit dem Wort Gottes. Wohl aber steckt dahinter die Erinnerung, dass Gott immer wieder durch andere Menschen zu uns spricht.
In jeder menschlichen Begegnung, in jedem Gespräch kann es geschehen, dass Gott uns begegnet und zu uns spricht. Gerade deshalb ist es so wichtig, empfänglich zu bleiben für das leise Reden Gottes inmitten der unzähligen äußeren und inneren Stimmen, die unsere Ohren und Herzen täglich bombardieren. Wir brauchen das „Momo-Ohr“, um wachsam zu sein für die oft leise und zarte Stimme, die uns immer wieder liebevoll ermutigt, korrigiert und dabei hilft, Gottes Spuren zu entdecken – in unserem kleinen Alltag und in der großen Welt.

Deshalb hat das Bild von Momo und dem großen Ohr mittlerweile einen festen Platz an der Pinnwand in meinem Arbeitszimmer. Es erinnert mich in dem oft hektischen Alltag daran, ein offenes Ohr zu behalten – in allem Reden und Tun die Stille nicht zu vergessen, die mich wachsam hält für die Menschen, denen ich begegne, ebenso wie für die Stimme Gottes, die mich dort erreicht, wo ich empfänglich bin: in der Begegnung, im Lesen der Bibel, im wachen Blick auf meinen Alltag, im Erleben der Natur und in jedem bewussten Atemzug.
Einen gesegneten Sonntag!
Ihre Pfarrerin Angelika von Leliwa und Pfarrer Christoph Tebbe

Gebet Juni Psalm von Hanns Dieter Hüsch
Herr, es gibt Leute, die behaupten,
der Sommer käme nicht von dir
und begründen mit allerlei und vielerlei Tamtam
und Wissenschaft und Hokuspokus,
dass keine Jahreszeit von dir geschaffen
und dass ein Kindskopf jeder, der es glaubt
und dass noch keiner dich bewiesen hätte
und dass du nur ein Hirngespinst.

Ich aber höre nicht darauf
und hülle mich in deine Wärme
und saug mich voll mit Sonne und
und lass die klugen Rechner um die Wette laufen
ich trink den Sommer wie den Wein
die Tage kommen groß daher
und abends kann man unter deinem Himmel sitzen
und sich freuen, dass wir sind
und unter deinen Augen leben.

Unser Gottesdienst-Hinweis:
Auf der Homepage unseres Kirchenkreises finden Sie den Gottesdienst zur Frühjahrssynode
https://www.ekir.de/krefeld/informationen/fruehjahrssynode2021-1863.php #FairWandeln.
Der Video-Gottesdienst wurde von der AG Ökofairer Kirchenkreis gestaltet und zeigt eine Vielzahl bereits gelungener FairÄnderungen in Kirchengemeinden. Er entführt Sie in den Brachter Wald und wird mit Pfarrerin Annette Vetter und Pfarrerin Katrin Meinhardt gefeiert.

Möchten Sie einmal bei unseren jüdischen Geschwistern schauen, dann können Sie das am Sonntag SR-Fernsehen 13:00 Uhr Festgottesdienst 75 Jahre Synagogengemeinde Saar

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