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Sonntagsgruß zum 13.6.2021

„Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ Apostelgeschichte 5.29 – Monatsspruch Juni 2021

Liebe Gemeindemitglieder von Krefeld-Nord,
Angenommen, es gäbe einen Gott, der verlangt zu hassen. Er befiehlt den Menschen, die an ihn glauben, andere herabzusetzen: Demütige deine Mitmenschen, so oft du kannst. Mach sie klein und trampele auf ihnen herum. Auf ihre Seele nimm keine Rücksicht. Menschen, die unterzugehen drohen, lass getrost ertrinken. Und wenn dir jemand in die Quere kommt, scheu dich nicht, ihn umzubringen.
Angenommen, es gäbe einen Menschen, der in der Liebe lebt. Er richtet die auf, die am Boden sind. Für jene, die ihm begegnen, hat er ein Lächeln übrig und findet ein gutes Wort. Er versteht, sich zurückzunehmen für andere Menschen. Ja, vielleicht würde er sein letztes Hemd für den geben, der es dringender benötigt als er selbst. Wunden verbindet er. Heimatlose rettet er aus dem Meer der Verlorenheit. Und er fordert andere auf, es ihm gleichzutun.
Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. Hier wäre der Satz ins Absurde gewendet.
Solch ein Gedankenspiel zeigt, welch eine schwierige Kategorie „Gehorsam“ ist. Wer ihn fordert, verlangt, dass ich ihm mein Denken und mein Gewissen unterordne, ja, vielleicht gar opfere.
Diktaturen arbeiten auf diese Weise: oben ein gottgleicher Machthaber, der absoluten Gehorsam verlangt. Das Individuum löst sich in der Masse auf und geht unter. Und die Verantwortung für das eigene Tun wird abgegeben an eine Instanz außerhalb meiner selbst. Ich gehorche und führe „nur“ die Befehle von oben aus.
Auch religiöser Extremismus funktioniert durch solch einen Absolutheitsanspruch. Der einzelne Mensch hat sich einem allmächtigen „Gott“ zu unterwerfen, in dessen Namen alles erlaubt ist. Unterdrücken, Foltern, Morden. Menschen, die sich ihm unterordnen, denken nicht mehr selbst. Sie haben kein Mitgefühl und kein Erbarmen mit denen, die gegen ihre rigorosen Gesetze verstoßen, die anders oder gar nicht glauben. Auf diese Weise instrumentalisieren religiöse Extremisten Gott und missbrauchen seinen Namen.
Gehorsam verlangen dürfte nur, wer den einzelnen und die einzelne achtet, wer Widerspruch und Zweifel wertschätzt und eigenes Denken einfordert. Eben das aber steht in einem gewissen Gegensatz zur Kategorie des Gehorsams.
Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen? Ich vertraue nur einem Gott, der mir zumutet, mich von ihm hinterfragen und eben nicht bestätigen zu lassen. Er nimmt mich als mündigen Menschen ernst und erlegt mir auf, die Verantwortung für mein Tun selbst zu tragen.
Ich vertraue ihm, der mich auffordert, mein Gewissen anhand der Liebe, die er selbst ist, zu prüfen, zu schulen und zu pflegen. Statt Befehle zu erteilen, stellt er einen Anspruch an mich, welcher nicht einlösbar ist. Einen übermenschlichen, und eben gerade nicht unmenschlichen.

Dieser göttliche Absolutheitsanspruch der Liebe: Er ist es, der uns zu menschlichen Menschen macht.
Ihnen und euch allen einen gesegneten Sonntag!
Ihre Pfarrerin Angelika von Leliwa und Pfarrer Christoph Tebbe

Gebet Vieles, Gott,
nehmen wir wichtig.
Oft sogar zu wichtig.
Auch uns selbst.
Und dabei übersehen wir,
worauf es eigentlich ankommt.
Du hast uns gesagt und gezeigt,
was im Leben wirklich zählt:
Das Vertrauen zu dir,
und das Verständnis für unsere Mitmenschen.
Wie viel Enttäuschungen und wie viel Ärger
könnten wir uns und anderen ersparen,
wie viel Streit und Unfrieden könnten unter uns
und wie viele Kriege in dieser Welt vermieden werden;
wie viel Gerechtigkeit könnte gewonnen werden
und wie viel Schönes in unser Leben einziehen,
wenn wir auf dich hören
und deinen Worten und Zeichen folgen würden.
Wir bitten dich, Gott:
Öffne uns unsere Ohren und Augen
für dich,
für das, was dir – uns zuliebe – wichtig ist,
und für die,
die uns und denen wir wichtig sind! Eckhard Herrmann

Unser Gottesdienst-Hinweis:
ZDF-Gottesdienst 9:30 Sanft-Mut
Die Burg Finstergrün ist ein Kinder- und Jugendfreizeitheim der evangelischen Jugend Österreich. Hier feiern Pfarrer Manfred Perko und sein Team zusammen mit Gästen der Burg den Gottesdienst. Dabei gehen sie auf den „Pfad der Rittertugenden“ ein, der im Burghof die alten Tugenden aufgreift und sie für unsere Zeit neu interpretiert: gewaltfrei und mit Sanft-Mut, liebend, helfend und heilend.

Thomaskirche 9:45 Uhr Pius-Lukas-Kirche 11:15 Uhr

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